Echte oder Pollen-assoziierte Obstallergie?

Der Sommer ruft – und schon erwartet viele von uns die Pollen-assoziierte Nahrungsmittelallergie.

Die korrekte Diagnose von Nahrungsmittelallergien ist nicht immer einfach und kann eine Herausforderung darstellen. Tatsächlich können kreuzreaktive Proteine die Diagnose von Nahrungsmittelallergien erschweren, da sie klinisch irrelevante positive Tests auf kreuzreagierende Nahrungsmittel verursachen können. Allergietests welche sowohl kreuzreaktive Komponenten als auch primäre Nahrungsmittelallergene beinhalten sind daher ein wichtiges Instrument für eine präzise Diagnose, Risikoabschätzungen sowie für Diätempfehlungen.

Was kam zuerst?

Je nach Sensibilisierungsweg sind Allergien gegen Obst und Gemüse entweder das Ergebnis einer primären Nahrungsmittelallergie oder einer sekundären Pollen-assoziierten Nahrungsmittelallergie.

Die primäre Nahrungsmittelallergie tritt oft schon im Kleinkindalter auf. Eine Sensibilisierung entsteht durch direkten Kontakt der Allergene mit der Magen-Darm-Schleimhaut. Dazu zählt vor allem das Lipid-Transfer-Protein-Syndrom (LTP-Syndrom), das klinische Reaktionen und sogar Anaphylaxie auslösen kann. Auch das Thaumatin-like Protein (TLP) wurde als echtes Nahrungsmittelallergen identifiziert. Dieses wurde in mehreren Obstsorten wie zum Beispiel in Apfel (Mal d 2) sowie Kiwi (Act d 2) beschrieben. (1, 2) Diese Allergene sind sehr stabil gegenüber Hitze und behalten ihre Struktur auch im Magen-Darm-Trakt bei, eine Eigenschaft, die für eine potentielle Sensibilisierung und die Auslösung allergischer Reaktionen wesentlich ist. Bei der Kiwi-Allergie wurden Actinidin (Act d 1) und ein Glycoprotein (Act d 3) als potenzielle Markerallergene für schwere Symptome identifiziert. (3, 4)

Die sekundäre Nahrungsmittelallergie betrifft vor allem ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die eine primäre Pollenallergie haben und infolgedessen auf kreuzreaktive Nahrungsmittelallergene in Obst reagieren.

Bei einem Pollen-Obst-Syndrom resultiert eine Obstallergie aus einer primären Sensibilisierung auf labile Pollenallergene, wie Profiline und PR-10 Proteine (Bet v 1 Homologe). Der resultierende Phänotyp ist meist mild und besteht aus lokalen Reaktionen, wie dem oralen Allergiesyndrom (OAS). Zu den Symptomen zählen Rötung, leichte Schwellung oder Juckreiz der Lippen, des Mund-, Rachenbereichs sowie der Ohren. Gelegentlich können auch Symptome in der Speiseröhre oder im Magen auftreten, die Bauchschmerzen, Übelkeit und sogar Erbrechen verursachen. Niesen, laufende Nase oder Augensymptome können ebenfalls auftreten.

Obwohl viel seltener vorkommend, können schwere Fruchtallergien auch mit Latex verbunden sein (Latex-Frucht-Syndrom). Auch bei der Latexallergie sind Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel bekannt. Da manche Proteine in Früchten den Pollen- bzw. Latexallergenen ähneln, kann es vorkommen, dass die Betroffenen in Folge auch beim Verzehr der entsprechenden Nahrungsmittel allergisch reagieren. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass gekochtes oder gebackenes Obst meist vertragen wird, da das Allergen durch die Hitze zerstört wird. 88% der latexallergischen Erwachsenen weisen infolge eines Latex-Frucht-Syndroms spezifisches IgE gegen pflanzliche Nahrungsmittel auf. Mehrere homologe Proteine sind sowohl in allergenen pflanzlichen Lebensmitteln als auch in Latex vorhanden, darunter Hev b 2 (β-1,3-Glucanase), Hev b 11 (Klasse I Chitinase) und Hev b 8 (Profilin). Hev b 6 (Prohevein) ist das Latexallergen, das die meiste Aufmerksamkeit als mögliche Ursache des Latex-Fruchtallergiesyndroms erhalten hat.

Obstallergene

Die molekulare Allergiediagnostik am Beispiel des Apfels: Mal d 1 ist das verwandte Allergen zu Birkenpollen Bet v 1. Mal d 1 ist anfällig gegen Hitze und Verdauung. Wer nur IgE auf Mal d 1 hat, verträgt gekochte oder gebackene Äpfel und hat „nur“ ein orales Allergiesyndrom beim Verzehr von rohen Äpfeln. Anders bei Mal d 3 - Patienten mit IgE gegen Mal d 3 sind „echte“ Apfelallergiker. Hier sind schwere systemische Reaktionen möglich, sogar gegen hitzebehandelte Äpfel.

Im Allgemeinen werden Nahrungsmittelallergene in Klasse I und II eingeteilt. Proteine der Klasse I sind sehr stabile Allergene, die einer thermischen Behandlung und enzymatischen Verdauung standhalten. Sie bleiben noch in gekochter sowie gebackener Form stabil, können die Person über den Magen-Darm-Trakt sensibilisieren und daher als echte Lebensmittelallergene primäre (nicht-pollenbezogene) Sensibilisierungen auslösen und hauptsächlich schwere systemische Reaktionen hervorrufen.

Dazu zählen unter anderem die Lipid-Transfer-Proteine (LTPs) in Apfel (Mal d 3), Erdbeere (Fra a 3), Kiwi (Act d 10), Pfirsich (Pru p 3) und Weintraube (Vit v 1). (5, 6) Pru p 3 wurde als wichtiges Markerallergen einer LTP-Allergie identifiziert und dient daher als nützliches Molekül in der molekularen Allergiediagnostik. (7)

Im Gegensatz dazu sind Klasse II Nahrungsmittelallergene homologe Proteine zu anderen Pollenproteinen. Proteine, die das Pollen-Obst-Syndrom verursachen, werden oft durch Erhitzen oder Magensäure verändert, sind leicht abbaubar, verdaulich, hitzelabil und führen zu milderen, lokalen Symptomen wie dem oralen Allergiesyndrom. Die Klasse-II-Nahrungsmittelallergie entwickelt sich als Folge einer primären Sensibilisierung auf respiratorische Allergene über Kreuzreaktivität. Die meisten Betroffenen des Pollen-Nahrungsmittelsyndroms erleben Allergiesymptome, wenn sie die Früchte roh essen, können aber die gleichen Lebensmittel problemlos essen, wenn sie gekocht werden. Durch die primäre Sensibilisierung auf Profiline (z.B. Bet v 2 in Birke oder Phl p 12 in Gräserpollen) entstehen oftmals Kreuzreaktionen mit Apfel (Mal d 4), Pfirsich (Pru p 4), Kirsche (Pru av 4), Weintraube (Vit v 4), Melone (Cuc m 2) sowie Erdbeere (Fra a 4). PR-10 Proteine (Bet v 1 Homologe) findet man in Apfel (Mal d 1), Pfirsich (Pru p 1), Kirsche (Pru av 1), Weintraube (Vit v 8) und Erdbeere (Fra a 1). Die Bet v 1-homologen Proteine aus Haselnuss, Sellerie und Erdnuss/Sojabohne zeigten sich bei einigen Studien hitzeresistenter als die Proteine aus Früchten der Familie Rosaceae. Dies könnte erklären, warum diese bei Bet v 1-assoziierter Nahrungsmittelallergie manchmal schwere systemische Reaktionen auslösen.

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Referenzen

  1. doi: 10.1159/000144036
  2. doi: 10.1002/mnfr.200700167
  3. doi: 10.1111/j.1365-2222.2007.02927.x
  4. doi: 10.1097/ACI.0b013e3283464c74
  5. doi: 10.18176/jiaci.0110
  6. doi: 10.1111/cea.13053
  7. doi: 10.1111/all.13151